Clives Top Ten des Horrorfilms

 
[Portrait] * [Biographie] * [Interviews] * [Clives Top 10 des Horrorfilms]
[Fragen an Clive Barker] * [Erlebnisberichte] * [Bildergalerie]

 
 
Clive ist als visuell orientierter Mensch auch ein großer Kinofan und vor mehreren Jahren erschien in der englischen Zeitschrift „Empire" ein Bericht über Clive’s Top Ten des Horrorfilms. Clive wollte das Vorurteil widerlegen, daß Horrorfilme langweilig sind, es nur um Blut und Gedärme geht und daß es keine vernünftige Story gibt. Clive hat wirklich die Perlen des Genres aufgelistet und viele der Filme sind euch bestimmt bekannt. Und vielleicht überkommt euch ja die Lust, sich ‘nen Klassiker zum unzähligsten Mal anzusehen oder euer Interesse für einen Streifen wird geweckt, von dem ihr noch nie etwas gehört habt. Wie auch immer, ich (Nikki) als Cineast kann Clive’s Auswahl nur zustimmen und euch alle Titel nur wärmstens ans glitschige, pumpende, blutende Herz legen.

Santa Sangre (1989)

„Ich verehre diesen Film. Er ist herausragend, pervers und surreal, moralisch total unverantwortlich und wundervoll anzusehen, der Erzählstil wirkt oft verwirrt oder er schweift ab und steckt voller Illusionen.
Regisseur Alejandro Jodorowsky verhext einen geradezu mit seiner Bewunderung für das Verrückte und Bizarre. Gönnt euch eine Freude, es ist ein wirklich großartiger Film!"

Suspiria (1977)

„Dario Argento’s Suspiria ist ein Klassiker des unlogischen Horrorfilms. Der Film wirkt Szene für Szene, obwohl er am Schluß nicht viel Sinn ergibt. Aber das gehört irgendwie zum Potential des Films und er ist visuell atemberaubend, Jessica Harper ist großartig sowie auch die Musik von Goblin. Den Film schaut man sich am besten im Kino mit Publikum an, da er auf Video viel von seiner Wirkung verliert."

Videodrome (1983)

„Dies ist ein schwieriger, obskurer, komplexen Film, der diesen Eindruck auch nach mehrmaligen Sehen beibehält. Er offenbart in keinster Hinsicht alle seine Geheimnisse und deshalb reizt mich der Film immer wieder, wenn ich an anderen Filmen, die einfacher gestrickt sind, schon längst das Interesse verloren habe. Die Special Effekts sind herrlich und James Woods paranoide Darstellung ist herausragend. Es ist ein Film mit einem tiefen Einblick in die sexuelle Phantasie, jeder denkt automatisch an die vaginale Öffnung in Woods Bauch, aber der ganze Erzählstil baut darauf auf, weil er sich ja in eine sado-masochistische Fernsehstation eingeklinkt hat. Was die sexuelle Phantasie angeht, ist es sicherlich Cronenberg’s interessanteste Arbeit..."

 

Les Yeux sans Visage (Die Augen ohne Gesicht) (1959)

„Ich rede oft über diesen Film, ich liebe diesen Film, er bleibt außergewöhnlich in seiner Art und in der Gewandtheit seiner Poesie - wie in der Szene mit den Tauben in den Käfigen. Es ist ein kraftvoller Film, der eine Balance zwischen Poesie und Horror schafft. Edith Scob spielt phantastisch und der Film verbindet die Bildersymbolik eines Schlachthofes mit der eines Jean Coeteau; es ist ein sehr überzeugender und sehr französischer Film... „

The Thing (Das Ding aus einer anderen Welt) (1982)

„Dies ist ein Film, bei dem einem eigentlich nur die Special Effects interessieren. Es bleibt der Film mit der meisterhaftesten Explosion von kaum vorstellbaren Effekten und ich werde nie müde, mir die unzähligen Veränderungen und Transformationen anzusehen, die der menschliche Körper durchmachen kann. Zwischen den Zeilen geht es auch darum, daß niemand dem anderen vertraut, aber das kommt nicht so stark zum Vorschein, da die Effekte im Vordergrund stehen. Invasion of the Body Snat-chers zeigt da schon stärkere politische Nuancen..."

Vertigo (1958)

„Wir müssen einen Hitchcock in der Top Ten haben, was normalerweise offensichtlich Psycho wäre, doch ich habe mich für Vertigo entschieden. Der Film ist Thriller wie auch Horrorfilm, denn die Grundidee der Geschichte ist eine sehr erschreckende - die Idee, jemanden zu verändern, zu verwandeln. Es ist psychologischer Horror, jemanden so zu verändern, bis man die Person hat wie man sie sich wünscht. Das ist eine furchtbare Vorstellung! Der Film steuert unausweichlich auf eine Tragödie zu, das macht ihn so überaus stark..."

The Exorcist (1973)

„Wie könnte man diesen Film übergehen? Er hat nach über 20 Jahren noch nichts von seiner Wirkung verloren. Ich finde den Film bemerkenswert gruselig trotz seines lächerlichen theologischen Standpunktes. Der Film wird von mehreren herausragenden Darstellern angetrieben, vor allem von Ellen Burstyn als die Mutter, deren Gesicht ein noch stärkeres Barometer der Wirkung des Filmes ist als Dick Smith’s Make-up für Linda Blair..."

Jaws (Der weiße Hai) (1975)

„Wenn es die Absicht eines Horrorfilms ist, einem zu entsetzen, dann gehört Jaws in diese Kategorie - der Film bleibt ein echter Genreklassiker. Und er bleibt auch ein Monsterfilm, der noch heutzutage erstaunlich effektiv wirkt. Der Kopf, der aus dem Boot fällt ist einer der großen Schockmomente des modernen Kinos. Trotz der Tatsache, daß Spielberg’s Hai aus Gummi ein Problem war - und es gibt ein paar Einstellungen, in denen man sieht, daß es ein absoluter Gummi-Hai ist -, ist die Kraft des Filmes die eines Horrorfilms: die Idee, daß etwas Fürchterliches und Unmenschliches einem verschlingen wird. Und die vier herausragenden Darsteller Robert Shaw, Richard Dreyfuss, Roy Scheider und Lorraine Gary darf man nicht vergessen, sie machen den Film um so spannender, weil man die Charaktere mag und mit ihnen mitfühlt."

The Bride of Frankenstein (1935)

„James Whale’s Film ist sehr elegant und auch bedrohlich, man kann ihn eigentlich nur als Potpourri bezeichnen. Er enthält komische Elemente, Horror, und natürlich auch eine Liebesgeschichte, obwohl die Romanze zwei Leichen betrifft. Es ist ein herausragender Film, der tragisch endet, als Karloff schließlich von Elsa Lanchester abgewiesen wird und er das komplette Labor zerstört. Ein wunderbarer Film..."

King Kong (1933)

„Der Film ist in meiner Top Ten aus ähnlichen Gründen wie Bride of Frankenstein. Die Story hat einen einfallsreichen Schwung, herrlich geschauspielerte Darstellungen und die Tatsache, daß die Effekte, an heutigen Standards gemessen, plump wirken, kann der Gesamtwirkung des Films keinen Abbruch tun. Der Film ist voller großartiger Kulissen und enthält viele Bilder, die heute Teil unserer Kultur geworden sind: King Kong auf der Spitze des Empire State Building umgeben von Flugzeugen; Skull Island; Fay Wray, die in King Kong’s Hand sitzt und von ihm gekitzelt wird."

 

© 2006 by That's Clive!